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Nr. 09 September 2018










ZIMBABWE:
Fällt die Ernte trotz allem Unbill gut aus, ist die Freude groß!
















ZIMBABWE
Kann die neue Regierung das Land aus der Krise führen?
ZIMBABWE
Wie die Bauern im Süden Zimbabwes ums Überleben kämpfen

ZIMBABWE: Kann die neue Regierung das Land aus der Krise führen?

Wer geglaubt hatte, die Präsidentschaftswahlen würden eine Beruhigung der lang anhaltenden politischen Irritationen herbeiführen, sah sich getäuscht. Die vom Militär erzwungene Abdankung eines Präsidenten, der die Geschicke des Landes lange Jahre maßgeblich beeinflußte, hat dem Lande nur eine trügerische Atempause verschafft und dem nachrückenden Vize-Präsidenten kaum Gelegenheit gegeben, sich als eine glaubhafte Alternative zu seinem Amtsvorgänger Mugabe zu profilieren.

Dies lag nicht zuletzt auch daran, daß Millionen seiner Landsleute, die seit Jahren in Not und Armut ums Überleben kämpfen mußten, dem Interimspräsidenten Emerson Mnangagwa der sehnlichst erhoffte Neuanfang nicht zugetraut wurde. Das unter breiten Bevölkerungsschichten vorhandene Mißtrauen erklärt sich aus seiner langjährigen Zugehörigkeit zu Mugabes Regime.

Dieser Glaubwürdigkeitsdefizit, der in der Mehrheit der Bevölkerung bereits vor den erst wenige Wochen zurückliegenden Präsidentschaftswahlen bestand, wurde zusätzlich durch die Zweifel genährt, die aus der Kritik über Unregelmäßigkeiten beim Urnengang der Wähler herrühren, bei dem sich 50,6% von ihnen für E. Mnangagwa aussprachen – ein denkbar knappes Ergebnis, wenn man bedenkt, daß er damit nur knapp über der einfachen Mehrheit lag und ihn lediglich 30.000 Stimmen vor einem zweiten Wahlgang bewahrten. Der Oppositionsführer Nelson Chamisa sprach deshalb von Wahlfälschung. Das Verfassungsgericht sah diesen Vorwurf nicht bestätigt verwarf in seinem Urteil vom 24.08.2018 dessen Klage, welche nicht mit genügend Beweismaterial unterlegt war. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl wurde somit durch Gerichtsentscheid amtlich, sodaß der Präsident zwei Tage später offiziell in sein Amt eingeführt werden kann. Der Oppositionsführer sieht seine Zweifel an der Rechtmässigkeit der Wahl durch das Urteil nach wie vor als nicht ausgeräumt an und will deshalb den Feierlichkeiten fern bleiben.

Im LIRHANZO-Schulgarten lernen schon die Kleinsten die Bedeutung vitaminreicher Gemüsesorten kennen.
Auch die fruchtbarsten Böden in Zimbabwe bleiben ohne Ertrag, wenn die Niederschläge ausbleiben.
Wenn jedoch ein Präsident, dem nur die Hälfte der Bevölkerung vertraut, mit einer solch schweren Hypothek belastet ist, geht dies zu Lasten seiner Autorität, die er für die Ausübung seines Amtes nötiger braucht als je zuvor, um auf die volle Unterstützung der Bevölkerung zählen zu können. Eine in dieser wichtigen Frage um faire Wahlen gespaltene Nation ist ein denkbar schlechtes Omen gerade jetzt, da man darauf gesetzt hatte, daß die lange Leidenszeit der Bevölkerung ihr Ende fände. Ein Neuanfang, verbunden mit der Hoffnung auf Besserung, setzt allerdings die Bereitschaft der Politiker zur Bekämpfung der Korruption voraus, die das Wirtschaftsleben viel zu lange im Würgegriff hielt und Zimbabwe den Weg in eine bessere Zukunft versperrte. Ausländische Beobachter sind in ihrer Einschätzung eher skeptisch, ob der 75jährige Präsident genügend Dynamik zu entwickeln im Stande ist, um diese gewaltige Aufgabe zu meistern. Vornehmste Aufgabe der neuen Regierung muß sein, was dem früheren Machthaber nicht gelang; nämlich ein positives Image zu schaffen, wozu es einer seriöseren Regierungsarbeit bedarf als zuvor.

Letztere ist für eine sich nach wie vor im wirtschaftlichen Notstand befindliche Nation, wie Zimbabwe, von größter Bedeutung, insbesondere, wenn es gilt, für das einstmals so stolze Land – welches vor nicht allzu langer Zeit noch zu den erfolgreichsten Agrargüter-Export-Staaten Afrikas zählte – das so dringlich erforderliche Kapital aus dem Ausland zu akquirieren, ohne das die Modernisierung und die dadurch angestrebte Ertragsverbesserung des darniederliegenden Agrarsektors nicht möglich ist. Denn ohne die erkennbare Abkehr des von Korruption geprägten Fehlverhaltens der politischen Führungsschicht ist ein tragfähiger Neuanfang zum Scheitern verurteilt. Und jedermann weiß: Ohne die Wiederherstellung der verlorenen Glaubwürdigkeit der Regierung kann der seither blockierte Prozeß der Vertrauensbildung nicht gelingen. Nur auf einer soliden Basis kann ein günstiges Investitionsklima geschaffen werden, damit Zimbabwe im Ausland endlich wieder als partnerschaftsfähig und damit interessant für internationale Anleger wahrgenommen wird. In einem Land, das seine Attraktivität gegenüber ausländischen Geldgebern weitgehend eingebüßt hatte, muß die Regierung alles tun, um die verlorene Seriosität zurückzugewinnen, was als Voraussetzung gilt, das seither ausgebliebene Fremdkapital aus den reicheren Staaten wieder für die entwicklungsbedürftigen Industriesektoren ins Land zu holen…

Die wirtschaftliche Misere in Zimbabwe weitete sich bekanntlich im Jahre 2000 zusehends aus, als die Regierung des damaligen Präsenten Robert Mugabe viertausend weiße Farmer, sozusagen von heute auf morgen, enteignete und deren Agrarland vornehmlich an Mitglieder der Regierungspartei ZANU-FU, sowie an Kleinbauern verteilte. Die neuen Eigentümer wußten allerdings mit ihrem plötzlichen Reichtum nicht viel anzufangen, da ihnen das nötige Fachwissen zur Aufrechterhaltung der großen Ländereien fehlte.

Die Agrarproduktion, welche zuvor stets ein Garant der für Zimbabwe so wichtigen Devisen war, brach ein und löste eine sich rasant anwachsende Auslandsverschuldung aus. Sie wurde durch die damit einhergehende Korruption noch beschleunigt und führte zu einer katastrophalen Unterversorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln.

Laut UNO benötigten letztes Jahr mehr als 4 Mio. Einwohner des Landes humanitäre Hilfe. Besonders kraß wirkte sich die Notlage in den ländlichen Gebieten aus, vor allem in den entlegenen Regionen, wo sich die Probleme des Arbeitsmarkts seit jeher am problematischsten zuspitzen und sich die Einkommenslage der von der Landwirtschaft abhängigen Landbevölkerung aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit besonders prekär auswirken. Hier bezifferte die UNOCHA (das UNO-Büro für humanitären Angelegenheiten) die Ernährungsunsicherheit auf beunruhigende 79%.

Die 2017 vom Interimspräsidenten vollmundig verkündete Erwartung, die heimische Agrarwirtschaft könne die Selbstversorgung der Bevölkerung sicherstellen, stellte sich als Wunschdenken heraus. Die Tatsache, daß allein in den ersten 6 Monaten des Jahres 2017 Mais und Weizen im Werte von 82 Mio. USD und Reis für 46 Mio. USD importiert werden mußten, läßt erahnen, vor welcher Mammutaufgabe die Regierung Zimbabwes gegenwärtig steht, um neben der problemgeschüttelten Industrie, den sowohl für die Beschäftigung der Landbevölkerung, wie auch die Nahrungsmittelselbstversorgung so wichtigen Agrarsektor Zimbabwes endlich zu konsolidieren und ertragreicher zu gestalten.

Die vom Präsident Mnangagwa ausgehenden Reformen sehen zwar vor, die im Jahr 2000 enteigneten Farmer wieder ins Land zu lassen; sie müßten allerdings, wie verlautet, Anträge stellen wie alle anderen Mitbewerber, die sich um eigene Farmen bemühen. Das Land soll Staatseigentum bleiben, aber man hofft, Pachtverträge bis zu 99 Jahren würden die erwünschte Stabilität bringen. Es bleibt abzuwarten, ob die weißen Farmer nach über 18 Jahren der Vertreibung überhaupt Neigung verspüren, in ihre Heimat zurückzukehren. Inwieweit diese seit Generationen in Zimbabwe ansässigen weißen Farmer, die rechtswidrig um ihre landwirtschaftlichen Anwesen, samt all ihrem Hab und Gut, gebracht worden sind, dieser nicht gerade verlockenden Einladung Folge leisten, wird sich sehr bald herausstellen.

Wenig ermutigend dürfte in diesem Zusammenhang die Ankündigung der südafrikanischen Regierung stimmen, die mit einer in Bälde stattfindenden Landreform die schwarzen Farmer mit Land versorgen will, das seither zu ca. 70 Prozent von weissen „Afrikanern“ bewirtschaftet wurde. Diese zu erwartenden Ereignisse, die erhebliche Unruhen hervorgerufen haben, werfen schon heute ihre Schatten voraus und dürften sich wenig motivierend auf diejenigen Farmer auswirken, welche seitens der Regierung Mnangagwa für die sogenannte „Revision“ der einst von Mugabe eingeleiteten Landreform für eine Wiederansiedlung in Zimbabwe gewonnen werden sollen.

Denn viele unter ihnen hatten sich in den benachbarten Staaten von Südafrika und Zambia niedergelassen, wo sie den Ausbau der Agrarwirtschaft erfolgreich mitgestalteten. Auch in Zimbabwe hatte man, wenngleich mit zu spät kommendem Bedauern, vernommen, daß sich Zambia als einstmaliges Importland von Agrargütern, seit der Übersiedlung weißer Farmer aus Zimbabwe, inzwischen zum Exportland landwirtschaftlicher Produkte gemausert hatte.

Aus diesem Beispiel wird ersichtlich, wie bedeutsam Know-how- und Technologie- Transfer für die Länder Afrikas ist. Die Notlage Zimbabwes, die aus einer fragwürdigen, ideologisch motivierten politischen Haltung der Staatsführung heraus entstand, hat zu einer schmerzhaften Konfrontation mit Staaten, wie z. B. den USA, geführt, die mit Sanktionen aufwarteten, deren negative Auswirkungen bis in die Gegenwart hinein spürbar sind. Zimbabwe bedarf deshalb der Erweiterung internationaler Partnerschaften, nicht allein mit seinen afrikanischen Nachbarn, sondern ebenso mit den reichen Industriestaaten, wie auch den Schwellenländern gleichermaßen, deren Kapital- und Technologie- Transfer gebraucht wird, damit die viel zu lange währende Krise Zimbabwes überwunden werden kann. Nur so kann das verarmte Land einen Ausweg aus der selbstverschuldeten Isolation finden und die Bevölkerung sich aus ihrer Misere befreien.

Die gesamte Familie Kupuka sammelt die pflanzlichen Überreste der letzten Sorghum-Ernte ein, die als Tierfutter verwertet werden.
Im Süden Zimbabwes bildet Mais die Grundlage für die Ernährung der Landbevölkerung.
Damit dies gelingen kann, bedarf es auch der Loyalität all derer, die sich redlich mühen, mit Projekten der Hilfe zur Selbsthilfe gerade dort positive Zeichen zu setzen, wo sich die Armut am drückendsten bemerkbar macht. Deshalb hat sich der Internationale Hilfsfonds bekanntlich in einer entlegenen Region Zimbabwes engagiert, wo die Bevölkerung unter den klimatischen Bedingungen größten Entbehrungen ausgesetzt ist, wo lange Dürreperioden und sintflutartige Regenfälle ganze Ernten zerstören oder stark dezimieren.

Hier, in der Region Chikombedzi, im Süden Zimbabwes, wird unsere Kooperation dankbar aufgenommen und zeitigt vor allem deshalb positive Ergebnisse, weil die Bereitschaft seitens der armen Landbevölkerung gegeben ist, Projekte der Hilfe zur Selbsthilfe erfolgreich zu gestalten. Dies gilt für alle unsere Projektinitiativen, die wir vor der Jahrhundertwende bereits seit Beginn der 90ger Jahre umgesetzt haben und einen breiten Fächer umfassen, der von der Trinkwasserversorgung bis zur Bewässerung großer Agrarflächen reicht; aber auch Dämme wurden errichtet, um den Schaden, der durch Überschwemmungen verursacht wird, möglichst gering zu halten. Hinzu kam der Aufbau eines Bezirkskrankenhauses durch ein IH-Ärzteteam, das Jahre hindurch die Krankenversorgung sicherstellte und parallel dazu einheimische Ärzte ausbildete, die später in eigener Regie arbeiteten und bis heute in eigener Regie vorbildliche medizinische Arbeit leisten.

Der IH hat unter der bewährten Projektleitung von Frau Ezelle Schimper in der Region Chikombedzi das erste Sozialhilfeprojekt für AIDS-Waisen in Zimbabwe eingerichtet und den Komplex durch eine Schule erweitert, die auch Kindern aus der Umgebung offensteht. Dieses Konzept wird seit seitens der Regierung als Referenzprojekt für ganz Zimbabwe bezeichnet. Das nach wie vor bedeutsamste Projekt des IH ist der Schulförderung gewidmet und umfaßt eine ganze Reihe von Schulen in der Region Chikombedzi und der Stadt Chikombedzi darselbst. Durch das Anpflanzen von Obst- und Olivenbäumen hat der IH in enger Partnerschaft mit den einheimischen Bauern letzteren eine solide Nebenerwerbsquelle ermöglicht. Mit dem Anlegen von Schulgärten wurde die Selbstversorgung der Lehrerschaft und der Schulkinder mit Gemüse und Obst verbessert und den Kindern die Chance gegeben, anhand ihrer eigenen Teilnahme an der Gartenarbeit und der Bewässerung der Gärten und Obstbäume die Bedeutung der Erosionsbekämpfung und der Verbesserung der Eigenversorgung mit Agrarprodukten und Obst schon vom Schuleintritt an kennenzulernen und so die nötige Sensibilisierung für Naturschutz und Ökologie zu entwickeln.

Mein ganz besonderer Dank geht an alle Förderer des Internationalen Hilfsfonds, die es unserem Hilfswerk ermöglichen, ein Zeichen zu setzen zur konstruktiven Völkerverständigung, die nur mit effizienten Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen einen glaubwürdigen Beitrag zur Solidarität zu leisten vermag.

Ihr

Karl H. Koch
Vorsitzender
Internationaler Hilfsfonds e.V.


IH-Projektleiterin Ezelle Schimper berichtet aus Chikombedzi:
Wie Bauern im Süden von Zimbabwe ums Überleben kämpfen

Unser Photo zeigt die Familie Kupuka vor ihrem Haus.
In diesem Jahr hat Europa in unregel- mäßigen Abständen die Auswirkungen des Klimawandels in einer bisher nie gekannten Intensität erfahren, wie sie seither nur für die tropischen Gebiete Afrikas, Latein- amerikas und Asiens charakteristisch waren. In Afrika müssen die Menschen seit Jahrhunderten mit ausgedehnten Dürre- perioden, denen sintflutartige Regenfluten folgen, fertig werden. Im Süden Zimbabwes stellen diese Gegensätze die Bauern Jahr für Jahr vor neue Probleme, welche oftmals die Existenz vieler Familien in der Region Chikombedzi in Frage stellen.

Nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika, bis hin zum fernen Osten in Japan, Australien und Ozeanien waren diese Ex- treme, wie wir sie in Zimbabwe kennen, als Klimawandel erstmals weltweit spürbar, was von Wissenschaftlern als „Global Warming“ bezeichnet wird. Diese Entwicklung deutet darauf hin, daß sich mittel- und langfristig eine Änderung des Weltklimas ankündigt. Es bleibt zu hoffen, daß die Katastrophen- Berichte über brennende Wälder und Überschwemmungen, die aus allen Erdteilen in den Massenmedien Verbreitung finden, die Regierungen der mächtigen Industriestaaten der Welt aufrütteln und ein Umdenken dahingehend stattfindet, daß sich alle Staaten, ohne Ausnahme, ihrer globalen Verantwortung bewußt werden. Denn eine intakte Umwelt und geschützte natürliche Ressourcen sind die Grundvoraussetzung dafür, daß die rasch anwachsende Weltbevölkerung ausreichen ernährt werden kann. Das kann jedoch nur gelingen, wenn die Erde nicht länger profitgierigen multinationalen Firmen ausgeliefert ist.

In Ihrem jüngsten Bericht schildert IHMitarbeiterin Ezelle Schimper, unter welch schwierigen Bedingungen die Bauern der Region Chikombedzi ums Überleben kämpfen:


Dumazi Kupuka lebt mit seiner Familie in einem so genannten „Wiederansiedlungsgebiet“ (Resettlement Area), nachdem ihm durch die Landreform ein bescheidenes Stück Agrarland zugewiesen worden war. Er arbeitet seit seinem Schulabbruch, der schon in der 3. Klasse stattfand, in der Landwirtschaft. Außerdem war er an den Befreiungskämpfen beteiligt, welche die Kolonialzeit des Landes beendete.

Der 62jährige Dumazi Kupuka gilt als liebenswürdiger und zuverlässiger Mann, der als Kriegsveteran in seiner Gemeinde beträchtliches Ansehen genießt und deshalb neben seiner Tätigkeit als Landwirt das Amt eines Dorfvorstehers ausübt. In dieser Rolle nimmt er aktiv am Leben der Lirhanzo-Schule teil, zumal er nicht zuletzt aufgrund seines frühen Weggangs aus der Schule weiß, wie wichtig sich eine solide, abgeschlossene Schulbildung für die armen Kinder, die in entlegenen Landgebieten wohnen, ausnimmt.

Mit seiner Ehefrau Elisabeth hat Herr Kupuka 9 Kinder, 5 Mädchen und 4 Buben. Die drei Ältesten haben die Schulzeit bereits hinter sich gebracht und sind über die nahe Grenze nach Südafrika gezogen, wo sie Arbeit und ein finanzielles Auskommen gefunden haben. Diesen Weg gehen viele junge Leute aus den Dörfern im Süden Zimbabwes, da die heimischen Bauernhöfe nicht genügend Erträge abwerfen, um alle Familienmitglieder ernähren zu können.

Die drei älteren Söhne sind schon verheiratet und einer von ihnen wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern im selbem Dorf wie sein Vater. Die zwei ältesten Töchter sind ebenfalls verheiratet; aber sie pflegen alle eine enge Verbindung zu ihren Eltern, was sich positiv auf die gemeinsame Fürsorge auswirkt: Als ihre Mutter zu Beginn des Jahres schwer erkrankt war, kehrten gleich mehrere Töchter nach Hause zurück, um sie zu pflegen und sich um die Hausarbeit zu kümmern. Außerdem galt es, die Jüngsten der Familie, die noch zur Schule gehen, zu versorgen. Zwei Kinder gehen zur Alpha-Mpapa Highschool in Chikombedzi: Prisca ist in der 4. Klasse und Josephine in der 3. Klasse. Beide wollen Ihre Schulbildung erfolgreich abschließen und später als Krankenschwester arbeiten, bzw. in den Polizei- oder Militärdienst eintreten. Euphrasia besucht die 5. Klasse und Donald die 7. Klasse in der Lirhanzo-Schule. Sie müssen dorthin von zuhause einen täglichen Schulweg von 9 km zu Fuß bewältigen. Daraus spricht eine nicht gerade alltägliche Bereitschaft und Motivation zum Schulbesuch, was vielen Kindern in Europa als Beispiel dienen kann…

Die wichtigste Einkommensquelle für die Familie Kupuka ist die Landwirtschaft, zumal die kleine Rente, welche Dumazi als Kriegsveteran zusteht, kaum der Rede wert ist. Somit hängt das Wohl und Wehe der Familie weitgehend von der Unbill der Natur ab, die ihr entweder eine gute Ernte beschert, oder mit leeren Händen zurückläßt. Die letzte von den Bauern der Region ausgebrachte Saat hat den meisten Bauern ein katastrophales Ergebnis gezeitigt. Dumazi Kupuka hingegen war großes Glück beschieden, denn außer ihm hatten alle Bauern Mais angebaut, der jedoch wegen des ausbleibenden Regens schon früh verdorrte.

Dumazi hatte als Einziger auf „rote Hirse“ (Sorghum) gesetzt, das ihm eine beachtliche Ernte von 4 Tonnen einbrachte! Da diese Sorte Sorghum von den Staatsbrauereien zur Bierproduktion aufgekauft wird, ist mit einem sicheren Einkommen zu rechnen; davon wird er allerdings den größten Teil dazu benötigen, Mais zu kaufen, um die Ernährung seiner Familie sicherzustellen. Diese Ration dürfte ihren Bedarf jedoch nur bis Ende Dezember dieses Jahres decken, denn die Menge an Mais, die sein Gemüsegarten erbrachte, reicht nur für einen Monat.

Die Lirhanzo-Schulkinder nutzen den Biologie-Unterricht, um sich so früh wie möglich mit dem Anpflanzen von Gemüse vertraut zu machen.
Der Brunnen dient nicht nur der Versorgung mit Trinkwasser für Mensch und Tier, sondern auch der Bewässerung des Gemüsegartens.
Dumazi muß deshalb alles daran setzen, bis zur nächsten Ernte, genügend Geld für die verbleibenden Monate aufzubringen. Es wird ihm wahrscheinlich keine andere Wahl blieben, als einige seiner 7 Ziegen und seiner 7 Kühe zu verkaufen. Die Kühe sind für die Familie eigentlich unverzichtbar, da sie zum Pflügen des Ackerlandes gebraucht werden. Deshalb würde er sie nur im äußersten Notfall verkaufen.

Wie die meisten Bauern ernährt sich seine Familie vor allem von Sadza, einem Maismehl- Brei, der zusammen mit Kuhmilch serviert wird. Jede zweite Woche wird eines der inzwischen auf die Anzahl von 13 reduzierten Hühnchen gegessen oder eine kleine Portion Fleisch hinzugekauft. Zu Weihnachten schlachtet Dumazi eine Kuh oder eine Ziege. Das nicht verzehrte Fleisch wird dann entweder für den späteren Verzehr getrocknet und dient als Reserve, oder wird verkauft, um Geld für kleinere Anschaffungen zur Verfügung zu haben.

Herr Kupuka hat in seinem Leben schon viele Trocken- und Dürreperioden erlebt und ebensoviele Überschwemmungen überstanden, war aber dennoch in der Lage, sich jedes Mal ins nächste Jahr zu retten. Er und seine Familie sind sehr genügsam und haben gelernt, sich den unterschiedlichsten Problemen, denen sie ausgesetzt sind, zu stellen. Seine ganze Aufmerksamkeit gilt den Kindern, deren Schulbesuch ihm sehr am Herzen liegt, denn er weiß aus eigener Erfahrung nur zu gut, wie beschwerlich das Leben für einen Schulabbrecher werden kann. Seinen Kinder bewußt geworden, wie wichtig daß sie nur mit guten schulischen Leistungen ein aussichts- reichen Eingang ins Berufsleben finden können. Er ist deshalb bereit, alle Entbehrungen auf sich zu nehmen, damit seinen Kindern Erfolg beschieden sei. Da sie darum wissen, sind sie ihrem Vater sehr dankbar für seine Fürsorge, mit der er sie umgibt.

Dumazi Kupuka hat mir anläßlich meines letzten Besuchs aufgetragen, dem IH nochmals ausdrücklich dafür zu danken, daß es seinen Kindern vergönnt ist, die Schule der IH-Sozialeinrichtung Lirhanzo zu besuchen. Denn insbesondere für die Kinder aus ärmsten Familien in den klimatisch benachteiligten Zonen im Süden Zimbabwes ist ein regelmäßiger Schulbesuch unverzichtbar, um die Chance eines selbstbestimmten Lebens in ihrem Heimatland wahrzunehmen.

IH-Projektleiterin Ezelle Schimper inmitten von Maisstauden, die wegen des ausbleibenden Regens nicht gedeihen konnten.
Die Kinder der Familie Kupuka gehen stets liebevoll mit ihren Ziegen um.
Diesem Dank darf ich mich ebenfalls anschließen.

Ihre

Ezelle Schimper
Leiterin des IH-Patenschaft-
und Schulförderungsprojekts
in der Region Chikombedzi